Das Konzept
Pilotprojekt SOUL BOY
Im September 2008 trafen Marie Steinmann und Tom Tykwer mit Ginger und Guy Wilson (von der in Nairobi ansässigen Filmproduktionsfirma Ginger Ink) zusammen, um ein Projekt aus der Taufe zu heben, das die Arbeit von One Fine Day e.V. und der britischen Partner-NGO Anno’s Africa auf den Bereich der Filmkunst ausweiten sollte.
Das Konzept für das Pilotprojekt sah vor, mit möglichst überschaubarem Budget einen Film-Workshop in Nairobi zu entwickeln. Unter der Leitung von Tom Tykwer konnte ein kleines Team professioneller Crewmitglieder mit einem sehr viel größeren Stab an jungen Auszubildenden einen mittellangen Spielfilm in Kibera, Nairobis größtem Slum realisieren. Erstes Ziel war, neugierige und lernhungrige Ansässige aus Nairobi und natürlich vor allem Bewohner des Slums in die praktische Arbeit an einem ambitionierten Spielfilm zu integrieren, um so fachliche Kenntnisse zu vermitteln, Berufsperspektiven zu schaffen und natürlich inspirierende Spuren zu hinterlassen.
Workshop Programm Die
überwältigende positive Resonanz auf die Erfahrungen des Projekts SOUL BOY
bestätigte den schon früh gefassten Plan, aus dieser Idee ein nachhaltiges
Projekt zu entwickeln. ONE
FINE DAY FILMS hat gemeinsam mit der DW-AKADEMIE und GINGER INK ein
Workshopprinzip entwickelt, dass zum einen die Ausbildung der einzelnen Gewerke
(Drehbuch, Regie, Kamera, Produktion, Szenenbild, Tongestaltung, Kostüm/Maske)
durch professionelle Filmschaffende vorsieht, zum anderen die Realisation eines
Spielfilms, die das Filmemachen in der Praxis vermittelt. Die Workshops sind eng
an den individuellen Bedürfnissen orientiert, die nationale, die afrikanische
aber auch die internationale Filmindustrie immer im Blick behaltend. Es geht in
erster Linie um die Professionalisierung des Handwerks. Im Mittelpunkt steht
der Anspruch, einer Gruppe von jungen Talenten nahezubringen, wie Filmemachen
in der Praxis aussieht - und der damit verbundenen Zukunftsaussicht, dass die
jungen Filmemacher ihre Visionen mit einem ausgebildeten Team eigenständig
umsetzen können. Wer teilnimmt soll in die Lage versetzt werden, mit seinen
Filmen nicht nur in Afrika, sondern auch auf einem internationalen Markt
Beachtung zu erregen. Das
Trainingsprogramm umfasst zwei Module: Modul
I - Film Department Training: Das
Trainingsmodul findet vor dem Beginn der Spielfilmproduktion statt. 7
Mentoren aus Deutschland und Großbritannien unterrichten zwei Wochen lang in
den Bereichen Regie, Produktion, Kamera, Szenenbild, Schnitt, Tongestaltung und
Drehbuch. Pro Department werden 5 – 10 Teilnehmer ausgebildet. Anschließend
werden die Teilnehmer ausgesucht, die bei der Spielfilmrealisation dabei sein
werden. Modul
II - Feature Film Workshop: ONE
FINE DAY FILMS ist von der Ideenfindung bis zur Verwertung der Kinokopie für
die Produktion des Spielfilms zuständig. Folgende Entwicklungsschritte wurden
hierfür festgelegt: Drehbuchentwicklung;
In Zusammenarbeit mit der in Nairobi ansässigen Produktionsfirma Ginger Ink und
dem Goethe-Institut Nairobi wird ein Aufruf zur Stoffeinreichung an
verschiedene Film- und Medienwerkstätten sowie in die kenianischen
Literaturzirkel gesendet. Aus den Einreichungen werden 10 Nachwuchsautoren
ausgewählt, die im Rahmen eines Workshops von einem erfahrenen Mentor in
Dramaturgie und Drehbuchentwicklung unterrichtet werden. Die in diesem Rahmen
entstandenen Drehbücher stehen dann den Filmemachern zur Auswahl zur Verfügung. Jährlich
wechselnd soll ein erfahrener Filmemacher aus dem In- oder Ausland für das
Projekt gewonnen werden. Im Idealfall entwickelt dieser in enger Zusammenarbeit
mit dem Autor das Drehbuch und führt als „Supervisor“ gemeinsam mit einem
lokalen Regie-Nachwuchskollegen den Film durch. Lokale Nachwuchsregisseure, die
in kleinen Filmgruppen und in autodidaktischer Arbeit bereits erste kurze Filme
realisiert haben, setzen unter Anleitung von erfahrenen Filmemachern aus
Deutschland das gemeinsam entwickelte Drehbuch um. Jedes
Department wird mit einem erfahrenen Hauptverantwortlichen und mehreren
Auszubildenden besetzt. Die Auszubildenden werden in alle kreativen und
organisatorischen Schritte eingebunden, sollen selbstständig Entscheidungen
treffen und Verantwortung übernehmen – nur so kann ?ihnen ein möglichst
umfassender Einblick in die konkreten Anforderungen des Berufs ermöglicht werden. In
der Postproduktion betreut der lokal ansässige Nachwuchs-Regisseur den Schnitt,
die Musik und die Vertonung gemeinsam mit Nachwuchstalenten aus der noch sehr
kleinen Postproduktionsbranche. Vor der finalen Tonmischung reist der
Nachwuchs-Regisseur gemeinsam mit dem auszubildenden Cutter des Films zum
Heimatort des „Supervisor“-Filmemachers, um dort mit ihm und einem
professionellen Cutter den Schnitt gemeinsam zu beenden. Die
Premiere des Films findet immer zuerst am Ursprungsort des Films statt – dann
suchen wir ein geeignetes Festival für die offizielle Uraufführung. Angestrebt
wird die Verwertung im internationalen Kino-, DVD- und TV-Markt, diese wird
sich von Projekt zu Projekt im jeweiligen Umfang modifizieren.